{"id":9665,"date":"2019-11-06T22:31:18","date_gmt":"2019-11-06T20:31:18","guid":{"rendered":"http:\/\/international-mwbk.de\/?p=9665"},"modified":"2023-03-01T14:55:58","modified_gmt":"2023-03-01T12:55:58","slug":"35-arbeit-im-betrieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/international-mwbk.de\/?p=9665","title":{"rendered":"3\/5 Arbeit im Betrieb"},"content":{"rendered":"<p>Am ersten Arbeitstag holte mich der Chef des Betriebs ausnahmsweise sogar pers\u00f6nlich vom B&amp;B mit dem Auto ab. Im Betrieb angekommen, zeigte er mir die gesamte maschinelle Ausstattung des Unternehmens und stellte mich den meisten Mitarbeitern vor. Nach einer ca. 15 min\u00fctigen Rundf\u00fchrung teilte er mich f\u00fcr die erste Woche der Werkzeugmontage-Abteilung zu.<\/p>\n<p>Das Kennenlernen der Menschen im Betrieb verlief extrem easy-going und machte richtig Spa\u00df. Ich hatte sofort bemerkt, dass viele der Mitarbeiter, die etwas besser Englisch sprechen konnten, unbedingt mal etwas mit mir nach der Arbeit unternehmen wollten.<\/p>\n<p>Beispielsweise hatte mich ein Mitarbeiter zusammen mit 2 weiteren (einer Mitte 50, einer mein Alter) zu sich nach Hause zum Pizza essen und Bier trinken eingeladen. Dies wurde zu einem unvergesslichen Abend kulturellen Austauschs, an dem ich sogar noch von der Frau desjenigen, der einlud, selbstgemachtes\u00a0Tiramisu und sehr guten Grappa aus Bassano serviert bekommen habe. An einem anderen Abend nach der Arbeit hatte mich ein Mitarbeiter Mitte 20 von meinem B&amp;B mit dem Auto abgeholt und ist mit mir nach Padua gefahren. Dort haben wir uns die Stadt in abendlicher Beleuchtung angesehen und etwas gegessen. Ich war von mir selbst \u00fcberrascht, wie fl\u00fcssig ich Englisch sprechen kann wenn mir keine andere Alternative zur Kommunikation bleibt. Au\u00dferdem erinnere ich mich an einen Abend nach der Arbeit, an dem ich mit einer Mitarbeiterin nach Castelfranco gefahren bin, wo sie mir neben dem Stadtkern eine der gr\u00f6\u00dften Weinhandlungen in ganz Italien zeigte, und mir freundlicherweise unbedingt noch ein Eis ausgeben wollte. Ein weiterer Mitarbeiter im Alter von 26 war in dem Betrieb erst seit wenigen Monaten besch\u00e4ftigt und hatte zuvor mit seiner Freundin zusammen 2 Jahre in Australien gearbeitet. Deshalb hatte er im Praktikumsbetrieb mit Abstand die besten Englischkenntnisse. \u00dcberraschenderweise waren unsere Englischkenntnisse auf \u00e4hnlichem Niveau, obwohl ich bis dato nie gro\u00dfartig Englisch im Ausland gesprochen hatte. Das hatte ihn auch sichtbar erstaunt. Er hatte vorgeschlagen, dass wir an einem Abend nach der Arbeit mal nach Bassano del Grappa fahren sollten, allerdings war er dann leider spontan gesch\u00e4ftlich verhindert. Bassano del Grappa hatte ich mir dennoch allein angesehen.<\/p>\n<p>In der 90 Minuten andauernden Mittagspause hatte ich beim Essen immer 2 Mitarbeiterinnen und einen Mitarbeiter mit mir am Tisch sitzen, mit denen ich mich \u00fcber verschiedenste Dinge unterhalten konnte. Eine der Mitarbeiterinnen wollte an einem Tag mit mir in der Pause zu einem nahe gelegenen Supermarkt gehen, nachdem ich die Frage gestellt hatte was man in der Region denn so typischerweise isst. Im Supermarkt hat sie mir einige Dinge empfohlen, die ich dann zum Ausprobieren gekauft hatte. Das fand ich extrem nett und ich konnte vieles dabei lernen. War zudem wirklich witzig.\u00a0Die anderen beiden Menschen im Pausenraum haben mir meist ganz euphorisch erkl\u00e4ren wollen, wo ich am Wochenende denn am besten meine Zeit in der Umgebung verbringen sollte und wie ich am besten von A nach B komme. Daf\u00fcr bin ich sehr dankbar gewesen, da es mir das Leben am Wochenende auf der einen Seite sch\u00f6ner und auf der anderen in vielerlei Hinsicht noch einfacher machte. Am Ende bin ich mit einer Hand voll neuer Handynummern zur\u00fcck nach Deutschland gefahren; bei meinem n\u00e4chsten Besuch in der Region ist ein Wiedersehen praktisch schon beschlossene Sache.<\/p>\n<p>Nun zur Arbeit selbst: Meine 3 Wochen im Betrieb habe ich quasi vollst\u00e4ndig im technischen Bereich verbracht.\u00a0Folgende T\u00e4tigkeiten, Fertigungstechniken und Abteilungen habe ich in dieser Zeit kennengelernt&#8230;<\/p>\n<ul>\n<li>Montage verschiedenster Werkzeugkomponenten \/ Fertigstellung von Stanzwerkzeugen<\/li>\n<li>H\u00e4ndisches Pfeilen zur Oberfl\u00e4chenverbesserung einzelner Kavit\u00e4ten, deren Geometrie zuvor durch die innerbetrieblichen Fr\u00e4smaschinen erzeugt wurde<\/li>\n<li>Entwicklung von Programmen f\u00fcr mehrere Fr\u00e4smaschinen am Computer<\/li>\n<li>Funktionsweise, Einrichtung und Konfiguration von 3-Achs-Fr\u00e4smaschinen &amp; 4-Achs-Fr\u00e4smaschinen<\/li>\n<li>Funktionsweise, Einrichtung und Konfiguration von Schleifmaschinen<\/li>\n<li>Funktionsweise und Einrichtung einer Sandstrahl-Maschine<\/li>\n<li>Funktionsweise, Einrichtung und Konfiguration einer Drehmaschine<\/li>\n<li>Funktionsweise, Einrichtung und Konfiguration von 4 Drahterodiermaschinen<\/li>\n<li>Funktionsweise, Einrichtung und Konfiguration einer Laser-Cut Maschine<\/li>\n<li>Funktionsweise von Schwei\u00dfen<\/li>\n<li>Funktionsweise, Einrichtung und Konfiguration einer Testpresse (zum finalen Testen der zuvor fertiggestellten Werkzeuge)<\/li>\n<li>Strategien und \u00fcbliche Vorgehensweisen zum Analysieren von beim finalen Testvorgang auftretenden Komplikationen\u00a0+ Entwicklung entsprechender L\u00f6sungsans\u00e4tze (dies fand ich von alledem am interessantesten, da man nie wusste, ob die Stanzteile beim ersten Testen so aussehen wie sie sollen oder auch nicht; wenn sie fehlerhaft waren, war der Prozess der Fehleranalyse f\u00fcr mich sehr spannend)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei komplexeren Dingen wie etwa Maschinenkonfigurationen oder Programmierarbeiten habe ich den Gro\u00dfteil der Zeit \u00fcber die Schulter schauen sollen; &#8222;simple&#8220; T\u00e4tigkeiten wie Montieren, Pfeilen, auf Kommando den Startknopf der Testpresse dr\u00fccken oder auch Sandstrahlen mehrerer Werkst\u00fccke durfte ich eigenst\u00e4ndig machen. Die Balance zwischen selbst arbeiten und \u00fcber die Schulter schauen war in der Bilanz meiner Meinung nach ausgewogen und sehr angenehm.<\/p>\n<p>In meinem Praktikumsbetrieb funktionierte der Informationsaustausch prim\u00e4r \u00fcber das pers\u00f6nliche Gespr\u00e4ch. Immerhin handelt es sich um einen relativ kleinen Werkzeugbau in dem jeder einfach innerhalb weniger Sekunden zu seiner Zielperson gehen kann um Dinge zu erfragen oder mitzuteilen &#8211; vorausgesetzt der gesuchte Mitarbeiter ist an seinem standardm\u00e4\u00dfigen Arbeitsplatz. Andernfalls ist dann eine (meist nur kurze) Suchaktion notwendig.Telefon und E-Mail werden in allererster Linie nur f\u00fcr externe Anliegen, d.h. Kommunikation mit Lieferanten und Kunden in Anspruch genommen; ich meine beobachtet zu haben, dass die meisten Mitarbeiter au\u00dferhalb des B\u00fcros gar kein Telefon bei sich trugen. In der Produktion herrscht striktes Smartphone-Verbot &#8211; daher gehe ich davon aus, dass Messengerdienste wie sie teils in meinem Ausbildungsbetrieb in Deutschland genutzt werden, in dem Werkzeugbau keinerlei Rolle spielen. Dass die Mitarbeiter im B\u00fcro einen speziellen Messengerdienst am PC nutzen halte ich f\u00fcr unwahrscheinlich, jedoch hatte ich danach gar nicht erst aktiv gefragt. Bei mir hat man was das Nutzungsverbot des Smartphones in der Produktion angeht eine kleine Ausnahme gemacht, damit Mitarbeiter, die nur sehr schlecht Englisch sprechen konnten, mir technische Zusammenh\u00e4nge und Funktionsweisen mit Hilfe des Google Translators erl\u00e4utern konnten.<\/p>\n<p>Interessant fand ich, dass in meinem Praktikumsbetrieb jeder Mitarbeiter in der Produktion f\u00fcr jeden Arbeitsschritt an einem bestimmten Werkst\u00fcck die jeweils ben\u00f6tigte Zeit schriftlich auf einem Blatt Papier niederschrieb. Am Ende jeden Tages \u00fcbertrugen die Mitarbeiter die notierten Zeiten in digitaler Form auf einen \u00e4lteren Rechner nahe des Umkleideraums. Dies soll f\u00fcr die kaufm\u00e4nnischen Mitarbeiter ersichtlich machen, inwiefern geplante Zeiten mit tats\u00e4chlich ben\u00f6tigter Zeit \u00fcbereinstimmten &#8211; diese Vorgehensweise ist offenbar Grundlage f\u00fcr die exakte Kalkulation der finalen Werkzeugpreise. Schade, dass ich mir das im B\u00fcro nicht genauer anschauen konnte! &#8211; aber kein Beinbruch.<\/p>\n<p>Gru\u00df Justin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am ersten Arbeitstag holte mich der Chef des Betriebs ausnahmsweise sogar pers\u00f6nlich vom B&amp;B mit dem Auto ab. Im Betrieb angekommen, zeigte er mir die gesamte maschinelle Ausstattung des Unternehmens und stellte mich den meisten Mitarbeitern vor. Nach einer ca. 15 min\u00fctigen Rundf\u00fchrung teilte er mich f\u00fcr die erste Woche der Werkzeugmontage-Abteilung zu. 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