{"id":9486,"date":"2019-10-21T02:47:44","date_gmt":"2019-10-21T00:47:44","guid":{"rendered":"http:\/\/international-mwbk.de\/?p=9486"},"modified":"2023-03-01T14:54:29","modified_gmt":"2023-03-01T12:54:29","slug":"arbeitswechsel-sprache-und-krankheit-welcome-to-guyane","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/international-mwbk.de\/?p=9486","title":{"rendered":"Arbeitswechsel, Sprache und Krankheit &#8211; Welcome to Guyane"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem wir am Sonntag Frau Stieldorf und Herrn Denis verabschiedet hatten, brach f\u00fcr uns die zweite Woche, nun komplett auf uns allein gestellt, an. Statt, wie eigentlich urspr\u00fcnglich geplant, beim Museum des Spaceports zu arbeiten, wechselte ich von der ESA zwei Geb\u00e4ude weiter zum BLC, dem Bureeau Local des Comp\u00e9tences. Das BLC fungiert innerhalb des CSG (Centre Spatial Guyanais \u2013 also des European Spaceports) als eine Art Verteiler f\u00fcr Bewerbungen. N\u00f6tig vor Allem wegen der schieren Anzahl von Unternehmen verschiedener Branchen die auf und um den Spaceport arbeiten. Von hier werden die Bewerbungen an die in Frage kommenden Unternehmen weitergeleitet und Empfehlungen gegeben.<\/p>\n<p>Meine Aufgabe im BLC sollte die \u00dcbersetzung einer Brosch\u00fcre f\u00fcr Praktikanten (wie passend) sein. Meine Kolleginnen hei\u00dfen B\u00e9atrice Leopold und Zwei mal Martine und sind von Beginn an sehr freundlich. Sie sprechen jedoch kein Englisch und somit komme ich, sehr zur Freude von Frau Stieldorf doch noch zu einiger Sprachpraxis im Franz\u00f6sischen. Die Brosch\u00fcre z\u00e4hlt zentrale Anlaufstellen innerhalb des CSG auf und gibt Tipps rund um das Arbeiten auf selbigem, sowie zum Leben in Kourou und Guyana allgemein. Das Papier war bisher nat\u00fcrlich nur auf Franz\u00f6sisch verf\u00fcgbar, da aber auf der Basis ein internationales Team arbeitet, ist es gerade f\u00fcr den Start eines l\u00e4ngeren Praktikums sinnvoll, diese Informationen auch zu verstehen. Gew\u00fcnscht wurde eine \u00dcbersetzung auf Englisch und Deutsch. Ich entschied mich schnell daf\u00fcr, mit der Englischen zu beginnen, denn eine solche, dem Wortlaut nahe \u00dcbersetzung auf Deutsch auch so zu formulieren, dass diese mir auch zusagt, erschien mir schwieriger. Au\u00dferdem w\u00fcrde die englische Version wohl von mehr Praktikanten genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Arbeit ging mir wie gewohnt gut von der Hand. Ich nutzte dazu meinen eigenen Laptop, da f\u00fcr mich kein Zugang zum PC verf\u00fcgbar war. Daf\u00fcr bekam ich, das erste Mal in meinem Arbeitsleben ein eigenes B\u00fcro, und das sogar mit Ausblick auf das Raketenmodell vor dem Parkplatz des CSG. Zum Nachschlagen wurden mir W\u00f6rterb\u00fccher auf den Tisch gelegt, in die ich aber nicht einmal reinschaute, denn W\u00f6rterb\u00fccher waren nat\u00fcrlich auch auf meinem Handy f\u00fcr die Reise vorinstalliert.<\/p>\n<p>Die Entscheidung mit der englischen \u00dcbersetzung zu beginnen sollte sich noch auszahlen. Denn nat\u00fcrlich verdarb ich mir (vermutlich dank des Mikrowellen Futters auf das wir dank einer unterirdisch ausgestatteten \u201eK\u00fcche\u201c im Internat zur\u00fcckgreifen mussten) den Magen. Zusammen mit einer Rundfahrt auf dem Gel\u00e4nde des CSG f\u00fcr die \u201eNouveaux Arrivants\u201c (Neuank\u00f6mmlinge) verpasste ich diese Woche somit insgesamt 2,5 Tage Arbeitszeit. Als ich am Donnerstagmorgen meiner Chefin B\u00e9atrice per Telefon auf Franz\u00f6sisch f\u00fcr die Arbeit absagen wollte, machte sie sich so gro\u00dfe Sorgen, dass sie mich zum Schultor beorderte. Hier wartete ich dann eine halbe Stunde nach Treffpunkt und zwar nicht, weil sie sich etwa versp\u00e4tete, sondern bereits in der Verwaltung der Schule Alarm machte. Ich muss vorab sagen, dass alles was an diesem Vormittag folgte unglaublich f\u00fcrsorglich von B\u00e9atrice war, die daf\u00fcr auch Ihren Arbeitstag opferte, trotzdem f\u00fchlte ich mich im Nachhinein doch sehr \u00fcbergangen. Ich wurde zu keiner Zeit nach meiner Meinung gefragt, obwohl ich meinen K\u00f6rper wohl immer noch am besten einsch\u00e4tzen kann, und von Stelle zu Stelle geschliffen. Als Mitte zwanzig j\u00e4hriger behandelt, f\u00fchlte ich mich an diesem Tag kaum. Es ging erst zu den deutschen Lehrern vor Ort \u2013 ohne das etwas dabei rum kam. Dann zur Schul\u00e4rztin \u2013 die auch keine neunen Weisheiten pr\u00e4sentieren konnte. Immerhin wurde mein nicht vorhandenes Fieber gemessen und mir eine Wasserflasche geschenkt. Dann zur Verwaltung, in drei Damen um mich herum sehr schnell Franz\u00f6sisch sprachen. Ich glaube es ging darum wer mich zum Arzt f\u00e4hrt \u2013 ob ich das auch f\u00fcr n\u00f6tig halte wurde nicht gefragt. Auf dem Weg aus der Schule er\u00f6ffnete mir B\u00e9atrice, dass Sie nun mit mir ins Krankenhaus f\u00fchre &#8211; brav Oui gesagt und weiter. Dort angekommen sollte ich mich im dreckigsten Wartezimmer welches ich bisher erleben durfte hinsetzen, w\u00e4hrend B\u00e9atrice mit meiner Krankenkassenkarte und meinem Ausweis in der Schlange stand. Es ging dann schnell ins Hinterzimmer (ich dachte schon als wei\u00dfer w\u00fcrde ich bevorzugt behandelt, was mir unangenehm war) aber lediglich zum Wiegen, Blutdruck messen und erneuten Fieber messen. Danach wieder in den Warteraum in dem es von Kranken wimmelte und Kinder auf dem Boden spielten &#8211; 2,5 Std warten. Nach dieser gef\u00fchlten Ewigkeit ein Schnelltest mit Blut f\u00fcr Cholera, Malaria und Dengue Fieber (alles negativ), ein bisschen auf dem Bauch Gedr\u00fccke und eine Aufforderung zur Abgabe einer weiteren Probe. Der Arzt verschrieb mir 2 Medikamente (von denen ich eines bereits vorher von B\u00e9atrice bekommen hatte und dessen deutsches \u00c4quivalent ich in meiner Reiseapotheke bereits mitgebracht hatte). Danach war das Krankenhaus auch geschafft. Die Ergebnisse der Analyse w\u00fcrde ich dann am Samstag\/Montag abholen k\u00f6nnen. Wir fuhren noch zum Supermarkt, Schonkost kaufen und danach endlich wieder ins Internat, wo ich von Anfang an einfach h\u00e4tte bleiben wollen. Wie gesagt bin ich B\u00e9atrice Dankbar, dass sie einen solchen Aufwand f\u00fcr mich betreibt. Insgesamt war es aber (Stand jetzt am Wochenende ohne Ergebnisse der Analyse) viel Wirbel um nichts und das zu gro\u00dfen Teilen wegen der Sprachbarriere und der Mutterinstinkte meiner Chefin.<\/p>\n<p>Die Woche klang am Freitag mit ruhigem Arbeitstag und Magen aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir am Sonntag Frau Stieldorf und Herrn Denis verabschiedet hatten, brach f\u00fcr uns die zweite Woche, nun komplett auf uns allein gestellt, an. Statt, wie eigentlich urspr\u00fcnglich geplant, beim Museum des Spaceports zu arbeiten, wechselte ich von der ESA zwei Geb\u00e4ude weiter zum BLC, dem Bureeau Local des Comp\u00e9tences. 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