{"id":9374,"date":"2019-10-18T02:53:08","date_gmt":"2019-10-18T00:53:08","guid":{"rendered":"http:\/\/international-mwbk.de\/?p=9374"},"modified":"2023-03-01T14:21:12","modified_gmt":"2023-03-01T12:21:12","slug":"ankunft-und-arbeit-im-europa-suedamerikas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/international-mwbk.de\/?p=9374","title":{"rendered":"Ankunft und Arbeit im Europa S\u00fcdamerikas"},"content":{"rendered":"<p>Bereits der Anflug auf den Flughafen von Cayenne verr\u00e4t: hier ist alles anders. Zu diesem Zeitpunkt noch fast ausschlie\u00dflich im positiven Sinne. Der Ausblick auf den Fluss Kourou ist wundersch\u00f6n und die Strapazen des Vortags, der kurze touristische Abend in Paris, sowie der gef\u00fchlt ewige Flug auf dem Luciana und Ich jede angebrochene volle Stunde euphorisch feierten, sind fast vergessen. Lediglich das sp\u00e4te Einsetzen der Landebahn gibt zu diesem Zeitpunkt einen Vorgeschmack auf das, was vor uns liegt.<\/p>\n<p>Nach 1,5 sd. Fahrt, auf der die neue Szenerie uns einf\u00e4ngt erreichen wir also unsere Unterkunft f\u00fcr die n\u00e4chsten Wochen und uns ist gleich klar: Das wird kein Zuckerschlecken. Dass das Internatsleben nichts f\u00fcr mich ist war im vorhinein schon klar,\u00a0 dass Schuldirektor und einer von zwei anwesenden Mitarbeitern nicht gerade super freundlich sind ist ersichtlich. Au\u00dferdem macht uns die Warnung, das Gel\u00e4nde nicht mehr nach 9 Uhr zu verlassen etwas stutzig. Das Internat mit seinen Laubeng\u00e4ngen erinnert vom Aufbau direkt an einen Knast (dass die Jugendlichen hier nicht einmal eigene Zimmerschl\u00fcssel haben wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht). Naja, es ist Sonntagabend und wir waren den ganzen Tag unterwegs, also die einzige richtige Entscheidung (oder?) getroffen und erstmal Pizza essen gegangen. Auf dem R\u00fcckweg wird unsere Gruppe mit 6 weiblichen Mitgliedern dann von vielen &#8222;Ouhlalas&#8220; und Kussger\u00e4uschen, der nachts mit Bier auf B\u00e4nken am Stra\u00dfenrand herumlungernden M\u00e4nnerwelt, begleitet und die Warnung vom fr\u00fchen Abend, sich nicht nach 9 Uhr raus zu wagen macht erstaunlich viel Sinn. Die Gegend ist wohl nicht die Beste.<\/p>\n<p>Den starken Kontrast zwischen den Bev\u00f6lkerungsgruppen spiegelt der erste Arbeitstag wunderbar wieder. Denn mein Praktikum bei der ESA k\u00f6nnte nicht besser sein. Ich werde von allen sehr freundlich empfangen, es wird sich darauf geeinigt zun\u00e4chst Englisch mit mir zu sprechen und meine Aufgaben f\u00fcr die n\u00e4chsten Wochen kriege ich nach Ihrer Ankunft direkt von der der ESA Chefin des Weltraumbahnhofs Kourou, Charlotte Beskow, erkl\u00e4rt. Ich darf eine Pr\u00e4sentation zum Thema &#8222;40 Jahre Ariane Programm&#8220; anfertigen. Frau Beskow meint zu Recht: nachdem die 50 Jahre Mondlandung \u00fcberall erw\u00e4hnt wurden sollte auch das Europ\u00e4ische Raumfahrtprojekt geb\u00fchrend gefeiert werden und auf meiner Pr\u00e4sentation soll daf\u00fcr aufgebaut werden. Ich f\u00fchle mich von Anfang an sehr gut aufgehoben und zu meiner Freude und \u00dcberraschung auch sehr ernst genommen. Es wird sich Input von mir gew\u00fcnscht und ich werde nicht wie ein Praktikant behandelt, auch wenn das auf meinem Sicherheitsausweis steht. Au\u00dferdem k\u00fcmmert sich Charlotte auch neben der Arbeit um das wohlergehen der ganzen Gruppe und gibt mir Ausdrucke von Karten der Stadt mit Empfehlungen, Tipps und Warnungen mit. Sie betont auch noch einmal, wie sehr wir in unserer Gegend aufpassen sollten und Sie sollte Recht behalten. Aber zun\u00e4chst weiter mit den erfreulichen Dingen, denn am zweiten Tag f\u00e4hrt mich Charlotte vom au\u00dferhalb der Stadt gelegenen Spaceport zur\u00fcck zum Internat. Sie will die ganze Gruppe kennenlernen und so warten wir, direkt um die Ecke von unserer Schule, beim Stadtbekannten und einzigen B\u00e4cker Kourous, F\u00e9lix, bei einer Tasse Kaffee auf die anderen. Da man sich in der Kleinstadt halt kennt, werden wir von F\u00e9lix noch auf riesige Eisbecher eingeladen und w\u00e4hrenddessen von Charlotte zur Guyane Fashion Week eingeladen. (Beitrag folgt).<\/p>\n<p>Bei der European Space Agency verbringe ich die erste Woche in der Kommunikationsabteilung. Neben meinem Projekt darf ich kleinere Aufgaben wie das Zusammenschneiden einzelner Monthly reports zu einem quarterly report oder das Erstellen eines Newsletters f\u00fcr die zentrale in Paris \u00fcbernehmen. Au\u00dferdem pflege ich die Entnahmen von Goodies (von denen ich eine pralle T\u00fcte erhalten habe) in Excel Tabellen ein. Die Arbeit macht Spa\u00df und die Kollegen sind super gentil. Mein Franz\u00f6sisch verbessert sich in der ersten Woche nicht, daf\u00fcr lerne ich auf Englisch zu arbeiten und den Umgang mit den Franzosen an sich. Die B\u00fcroarbeit unterscheidet sich in keinster Weise von der in Deutschlanf, lediglich die Sprache ist eine andere und das Tastaturlayout nervt. Solange ich im Spaceport arbeite sieht die Welt ganz anders aus als an den Abenden.<\/p>\n<p>Es wird uns immer klarer, dass uns niemand so recht im Internat haben m\u00f6chte. Die Jugendlichen gr\u00fc\u00dfen kaum zur\u00fcck und sind sehr distanziert. Die Betreuer ignorieren uns so gut wie m\u00f6glich und von den Offiziellen kriegen wir generell keinen zu Gesicht. Lediglich Damian, ein Kollege der f\u00fcr GRETA im Lyc\u00e9e arbeitenden Isabelle und Luciana k\u00fcmmert sich wunderbar und ist ein Hoffnungsschimmer. Aber leider auch nur 2 Tage die Woche vor Ort. Die uns versprochene K\u00fcche besteht aus einer Mikrowelle. Den Schl\u00fcssel zum Aufenthaltsraum erhalten wir am dritten Tag. Au\u00dferdem h\u00f6ren wir, dass vor dem Tor des Internats vor 2 Wochen ein M\u00e4dchen mit einem Messer verletzt wurde. Am Mittwoch gibt es also schon die erste richtige Krisensitzung. Sicher f\u00fchlen wir uns nicht vor Ort. Die Konstellation der Gruppe tr\u00e4gt auch dazu bei und dass wir in der letzten Woche dank Schulferien ganz alleine auf dem Gel\u00e4nde sein werden beruhigt auch nicht gerade.<\/p>\n<p>Sicherheitsbedenken \u00e4u\u00dfere ich dann auch auf der Arbeit. Der Satz: \u201eIt\u2019s Kourou, not Chicago!\u201c und die generelle Beschwichtigung durch die sehr netten Kollegen helfen zumindest meinem pers\u00f6nlichen Sicherheitsempfinden erheblich. Es geht hier nicht um Gewaltverbrechen, sondern um Raub. Das Interesse gilt den Wertsachen und nicht uns.<\/p>\n<p>So geht die erste Woche wie im Flug rum. Ich m\u00f6chte noch erw\u00e4hnen, dass unsere Lehrer Frau Stieldorf und Herr Denis sich unglaublich viel M\u00fche gegeben haben uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, f\u00fcr uns den Chauffeur spielten und hochkochende Gem\u00fcter zu beschwichtigen versuchten. Merci beaucoup!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits der Anflug auf den Flughafen von Cayenne verr\u00e4t: hier ist alles anders. Zu diesem Zeitpunkt noch fast ausschlie\u00dflich im positiven Sinne. Der Ausblick auf den Fluss Kourou ist wundersch\u00f6n und die Strapazen des Vortags, der kurze touristische Abend in Paris, sowie der gef\u00fchlt ewige Flug auf dem Luciana und Ich jede angebrochene volle Stunde [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":276,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[25],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/international-mwbk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9374"}],"collection":[{"href":"https:\/\/international-mwbk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/international-mwbk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/international-mwbk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/276"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/international-mwbk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9374"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/international-mwbk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9412,"href":"https:\/\/international-mwbk.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9374\/revisions\/9412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/international-mwbk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/international-mwbk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/international-mwbk.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}