{"id":6053,"date":"2017-07-18T20:32:03","date_gmt":"2017-07-18T18:32:03","guid":{"rendered":"http:\/\/international-mwbk.de\/?p=6053"},"modified":"2023-03-12T23:02:35","modified_gmt":"2023-03-12T21:02:35","slug":"die-ersten-tage-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/international-mwbk.de\/?p=6053","title":{"rendered":"Die ersten Tage"},"content":{"rendered":"<p>Hallo!<\/p>\n<p>Am vergangenen Sonntag Nachmittag bin ich nach ganzen sieben Stunden Schnellzugfahrt im beschaulichen Bregenz angekommen. Und ich muss sagen, ich h\u00e4tte wirklich nicht damit gerechnet, gleich beim Betreten des \u00f6rtlichen Bahnsteigs von freier Sicht auf Bodensee und Gebirge willkommen gehei\u00dfen zu werden.<\/p>\n<p>Die Innenstadt war schnell gefunden (dank der zentralen Lage des Bahnhofs allerdings kein Kunstst\u00fcck&#8230;). Meine Unterkunft lie\u00df da schon etwas l\u00e4nger auf sich warten. Zwar hatte ich mich vorab mit Wegbeschreibungen und Kartenmaterial ausger\u00fcstet, dennoch strandete ich letzten Endes bereits in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Doch auch hier rettete mich die zuvorkommende Art der \u00d6sterreicher: Man erkannte meine vermeintliche \u201eNotlage\u201c, sprach mich augenblicklich an, ob ich Hilfe gebrauchen k\u00f6nnte und wies mir den Weg zu meiner Herberge. Ich muss wohl wirklich einen seeehr desorientierten Eindruck gemacht haben&#8230;<\/p>\n<p>Mittlerweile sind zwei von 15 Arbeitstagen in meinem Praktikumsbetrieb, der ortsans\u00e4ssigen B\u00fccherei, erfolgreich bestritten. An meine Arbeitszeiten muss ich mich allerdings noch gew\u00f6hnen: Montags, mittwochs und freitags zehn Stunden mit je einer Stunde Mittagspause, dienstags und donnerstags f\u00fcnf Stunden. Das ist einerseits toll, da mir so recht viel Zeit bleibt, die Gegend zu erkunden. Andererseits&#8230; na ja. Zehn Stunden. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Das Team hier ist aktuell aufgrund der Ferialzeit zwar recht klein (t\u00e4glich etwa drei Personen, mich nicht mit eingerechnet), daf\u00fcr aber wahnsinnig nett: Der Bibliotheksleiter erkundigte sich beim Kennenlernen nicht nur nach meinen pers\u00f6nlichen Erwartungen und Vorstellungen das Praktikum betreffend, sondern bot mir auch gleich das \u201eDu\u201c an. \u00dcberhaupt f\u00fchlt sich hier alles sehr leger und fast famili\u00e4r an, was teils sicherlich daran liegen mag, dass Bregenz (obgleich Vorarlberger Landeshauptstadt) mit etwa 30.000 Einwohnern zumindest in dieser Hinsicht nicht unbedingt eine Metropole ist.<\/p>\n<p>Jedoch duzt man sich hier nicht nur untereinander; auch im Umgang mit Kunden (oder wahlweise auch im Beratungsgespr\u00e4ch mit der Sekret\u00e4rin des B\u00fcrgermeisters) h\u00f6rt es sich \u2013 zumindest f\u00fcr mich als Deutsche \u2013 stets so an, als kenne man sich schon sein ganzes Leben lang. Vielleicht spielt hier aber auch der \u00f6sterreichische Dialekt mit ein, der einfach alles andere als steif klingt.<\/p>\n<p>Und das ist schon seltsam: Zwar habe ich mir f\u00fcr mein Praktikum ein EU-Land ausgesucht, in dem meine eigene Muttersprache gesprochen wird, und doch tue ich mich noch recht schwer damit, solch g\u00e4ngige Begr\u00fc\u00dfungsformeln wie \u201eGr\u00fc\u00df Gott\u201c zu adaptieren&#8230; Viel schwerer jedenfalls, als mich im fremdsprachigen Ausland pl\u00f6tzlich auf Englisch verst\u00e4ndigen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nun aber zu meinen Aufgaben in der Stadtb\u00fccherei:<\/p>\n<p>T\u00e4tigkeiten, die sich \u00fcber den Tag wiederholen, sind etwa das Reinigen und (Ein-)Sortieren vormals entliehener Medien sowie der Versand von Benachrichtigungen an Kunden, sobald ein vorgemerkter Titel zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>Daneben habe ich aber bereits jetzt viele weitere Arbeitsbereiche und Vorg\u00e4nge kennenlernen d\u00fcrfen. Unter anderem habe ich einen kurzen Abstecher in die eingegliederte \u201eBuchbinderei\u201c machen und dort einen Bildband eigenh\u00e4ndig laminieren k\u00f6nnen \u2013 nat\u00fcrlich unter Anleitung vom Profi. Auch im Bestellwesen sowie beim Anlegen von Kundenkonten und dem anschlie\u00dfenden Ausweisdruck durfte ich \u00fcber die Schulter schauen. Dabei wurde mir f\u00fcr die Dauer meines Aufenthaltes ein Gastausweis ausgestellt, sodass ich nun auch als ganz regul\u00e4rer Nutzer vom Medienbestand der Bibliothek profitiere.<\/p>\n<p>Neben dem Tagesgesch\u00e4ft finden auch einige T\u00e4tigkeiten au\u00dferhalb der Filiale statt: So best\u00fccken die Mitarbeiter der Stadtb\u00fccherei mitunter regelm\u00e4\u00dfig den gen Bodensee gelegenen, \u00f6ffentlichen \u201eB\u00fccherschrank&#8220; mit gespendeter oder aber aus dem eigenen Bestand genommener Literatur. Insbesondere das Regal f\u00fcr Kinder- und Jugendb\u00fccher muss hier st\u00e4ndig aufgef\u00fcllt werden, da diese dem Schrank zwar in hoher Zahl entnommen werden, zugleich aber kaum Werke aus Privatbesitz wieder hinzukommen.<\/p>\n<p>Des Weiteren durfte ich der Zweigstelle der Stadtb\u00fccherei einen Besuch abstatten, mit der mehrmals in der Woche ein reger Medienaustausch betrieben wird. Denn die Kunden d\u00fcrfen mit ihren Nutzerausweisen aus den Best\u00e4nden beider Filialen sch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Ankn\u00fcpfend an den zuvor beschriebenen Bestellvorgang vom Vortag durfte ich den Bibliotheksleiter heute au\u00dferdem zur Abholung der entsprechenden Medien begleiten, die stets bei \u00f6rtlichen Buchhandlungen in Auftrag gegeben werden, um den lokalen Markt zu unterst\u00fctzen. Auf internationale Gro\u00dfanbieter wird hier weitestgehend verzichtet.<\/p>\n<p>Okay, das war es zum Start. Mehr dann gen Wochenende.<\/p>\n<p>Bis dahin!<\/p>\n<p>P.S.: Im Gespr\u00e4ch habe ich \u00fcbrigens erfahren, dass im \u00f6ffentlichen Bibliothekswesen in \u00d6sterreich haupts\u00e4chlich Ehrenamtler und Quereinsteiger arbeiten. Anders als in Deutschland gelingt der Zugang hier n\u00e4mlich nicht unbedingt \u00fcber eine Ausbildung oder ein bestimmtes Studium. Vielmehr kann man sogar erst anschlie\u00dfend an eine dem Bereich entsprechende Anstellung sowie Berufserfahrung den Titel \u201ehauptamtliche\/r Bibliothekar\/in\u201c erwerben. (Anders gestaltet sich dies wiederum bei den Einstiegsvoraussetzungen wissenschaftlicher B\u00fcchereien.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo! Am vergangenen Sonntag Nachmittag bin ich nach ganzen sieben Stunden Schnellzugfahrt im beschaulichen Bregenz angekommen. 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