{"id":11013,"date":"2022-08-11T03:33:12","date_gmt":"2022-08-11T01:33:12","guid":{"rendered":"http:\/\/international-mwbk.de\/?p=11013"},"modified":"2023-03-01T14:09:53","modified_gmt":"2023-03-01T12:09:53","slug":"die-letzten-tage-des-praktikums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/international-mwbk.de\/?p=11013","title":{"rendered":"Die letzten Tage des Praktikums"},"content":{"rendered":"\n<p>Willkommen zur\u00fcck.<br>Da mein Praktikum nun vorbei ist, ich aber noch eine Woche in Japan bleibe, dachte ich, fasse ich hier die letzten Tage und meinen Abschlussbericht zusammen.<br><br>Bevor es am Montagmittag in Kyoto zu dem Kunden ging, hatte ich noch etwas Zeit totzuschlagen. Checkout im Hotel war um 10.00 Uhr, zum Mittagessen mit Takeo und Tatsuya war ich aber erst um 11.30 Uhr verabredet. Also habe ich beschlossen, den Kyoto Tower zu besteigen. <br>Seine Aussichtsplattform in 100 Metern H\u00f6he ist mit dem des Skytree in Tokyo (350 bzw. 450m) ein Witz, doch er wurde auch 1964 fertiggestellt. Also ein Ticket f\u00fcr 800 Yen gekauft und hoch. Obwohl er erst um 10.30 Uhr \u00f6ffnet, wollten schon relativ viele Leute dort hin. Haupts\u00e4chlich Familien mit Kindern. Von dort hat man eine gute Aussicht auf Kyoto mit vielen kostenlosen Ferngla\u00e4sern, durch die man sogar die Menschen und das Windspiel beim Kiyomizu-dera Tempel beobachten kann. Es gibt sogar Touch-Panels, die einem die Sehensw\u00fcrdigkeiten zu unterschiedlichen Tageszeiten zeigen und Infotexte haben. So etwas fehlt beim Skytree.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Bei gutem Wetter (wenn es nicht so schw\u00fcl ist) kann man bis nach Osaka sehen. Ich konnte die Stadt zwischen zwei Bergen erahnen.<br><br>Dann hie\u00df es ab zum Bahnhof und Mittagessen. Es gab&#8230; Okonomiyaki. Ein Gericht, das ich noch mindestens zwei weitere Mal essen werde, in Osaka und Hiroshima.<br>Um noch etwas Zeit totzuschlagen (das Treffen mit dem Kunden war erst um 13.30 Uhr), sind wir auf das Dach des Bahnhofs gegangen. Neben dem Kyoto Tower wom\u00f6glich das zweith\u00f6chste Geb\u00e4ude. Wer sich die 800 Yen Eintritt also sparen m\u00f6chte, kann auch dort hin gehen.<br><br>Ab ins Auto und zu&#8230;Nintendo! Die Halle des Kunden war n\u00e4mlich in der N\u00e4he. Dort haben sie mir kurz die Maschine gezeigt, um die es ging und f\u00fcr die wom\u00f6glich ein Ersatz hersoll. <br>Danach in das B\u00fcro des Kunden, der nichts von seinem Gl\u00fcck wusste, dass ich dabei war. Doch das machte ihm nichts aus.<br><br>Am Freitag hatte Takeo zu mir gesagt, dass ich sehen werde, wie solche Gespr\u00e4che in Japan ablaufen und dass ich es mit Deutschland vergleichen k\u00f6nnte.<br>Nat\u00fcrlich haben sie auf Japanisch geredet, doch sehr oft wurde auf mich gezeigt. Smalltalk also. Immer wieder wanderte mein Blick zur Uhr. Erst 10, dann 20, dann 30 Minuten und es ging teilweise immer noch \u00fcber mich. Takeo macht sich einen Spa\u00df daraus, dass man mich mit Kartoffeln und Schokolade gl\u00fccklich machen kann &#8211; wahrscheinlich erz\u00e4hlt er das jetzt jedem. Es ging also um mich, meinen Vater, das Wetter und das Essen in Deutschand &#8211; zumindest ist es das, was ich verstanden habe und wo sie mir auch ein paar Fragen zu gestellt haben.<br>Nach einer halben Stunde fragte Takeo, ob es in Ordnung w\u00e4re, wenn wir zusammen vor der Maschine ein Foto machen wuerden. Also ab nach drau\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/international-mwbk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG-20220811-WA0000.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/international-mwbk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG-20220811-WA0000.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11024\" width=\"360\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/international-mwbk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG-20220811-WA0000.jpg 768w, https:\/\/international-mwbk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG-20220811-WA0000-225x300.jpg 225w, https:\/\/international-mwbk.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/IMG-20220811-WA0000-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><figcaption>Takeos Worte: &#8222;Den Helm musst du anziehen, weil sonst dein Vater b\u00f6se mit mir wird.&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Danach ging es zur\u00fcck in das B\u00fcro und ich habe gedacht &#8222;Jetzt gehen die eigentlichen Verhandlungen los.&#8220; Wir hatten keine zwei Minuten gesessen, dann standen sie wieder auf und verabschiedeten sich.<br>Im Auto wurde klar: es waren keine 30 Minuten Smalltalk gewesen. Der Kunde m\u00fcsse erst auf die R\u00fcckmeldung der Stadt warten, ob er sich einen neuen Schredder kaufen d\u00fcrfe. Die Genehmigung hatte er vor 20 Jahren, aber die w\u00fcrde wohl nicht f\u00fcr eine neue Maschine gelten.<br>F\u00fcr mich klang das ein bisschen nach einer Ausrede, aber wer wei\u00df, wie das hier ist.<br><br>Takeo hat Tatsuya und mich zur\u00fcck zum Bahnhof gebracht und dort haben wir dann um 14.30 Uhr den Shinkansen nach Kawasaki genommen. Diesmal in der 1. Klasse mit der Begr\u00fcndung, dass ja die Firma das Ticket bezahlt.<br><br>Damit war dann auch schon meine Zeit in Kyoto vor\u00fcber.<br><br>Dienstag und Mittwoch bin ich ins B\u00fcro gegangen, habe dort weiter an meinen geliebten Excellisten gearbeitet. Und dann war das Praktikum auch schon vorbei.<br>Donnerstag (heute) ist ein Feiertag in Japan und Freitag hat die Firma einen Br\u00fcckentag, weswegen gestern mein letzter Tag war. So schnell vergehen 2,5 Wochen.<br>Es war doch anders, als ich mir vorgestellt habe. Angefangen damit, dass nur vier der neun Kollegen ins B\u00fcro in Kawasaki kommen (und das nicht mal jeden Tag, weil sie ja haupts\u00e4chlich von zu Hause arbeiten), ein paar weitere beim Lager in Yokohama sitzen und Takeo im 450km entfernten Nara wohnt. Ausserdem wird im B\u00fcro kaum miteinander gesprochen. W\u00e4hrend man bei uns in Deutschland gerne mal ein privates Pl\u00e4uschen h\u00e4lt, gibt es das hier nicht. Wenn geredet wird, dann nur \u00fcber die Arbeit.<br>Die Arbeitszeit ab 10.00 Uhr ist aber super entspannt. Ich hatte mich schon darauf eingestellt von 9.00 bis 18.00 Uhr oder so im B\u00fcro rumzusitzen.<br>Und: so viele englischsprechende Japaner habe ich bisher noch nicht auf einem Haufen gesehen!! (Es waren maximal vier Leute gleichzeitig.)<br>Aufgabentechnisch hatte ich keine Erwartungen, wahrscheinlich bin ich die erste Praktikantin, die sie hier \u00fcberhaupt hatten, und war froh, dass es \u00fcberhaupt etwas sinnvolles f\u00fcr mich zu tun gab. Deswegen habe ich mir auch keine wirklichen Lernziele gesetzt. Mein technisches Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Maschinen ist vielleicht ein bisschen besser geworden. Da die Schredder oft Unikate sind, ist es schwer, sich das Aussehen vorzustellen. Ein Modell von der Firma selbst habe ich daher leider nicht gesehen. Allerdings wei\u00df ich, dass sie gro\u00dfe sind &#8211; das kann man sich ausmalen, wenn man einzelne Teile im Lager sieht. Aber gro\u00df m\u00fcssen sie auch sein, immerhin werden da teilweise ganze Autos reingeworfen.<br><br>Somit habe ich einen nicht ganz so tiefen Einblick in die Arbeitswelt bekommen, wie ich gehofft hatte, aber Tatsuya hat sich immer bem\u00fcht, mich \u00fcberall mit einzubeziehen.<br>Ingesamt waren alle super lieb (wobei das bei Japanern auch Fassade sein kann. Es macht einen gro\u00dfen Unterschied, ob sie h\u00f6flich oder freundlich sind. Schlagwort: honne und tatemae.) Aber zumindest kam es mir immer so vor, als w\u00e4re das ehrlich gewesen.<br>Was ich mir vorgenommem habe, nicht zu direkt zu sein, hat glaube ich nicht ganz sooo gut funktioniert. Ihr war halt immer ehrlich. Aber da die meisten Gespr\u00e4che privater Natur waren, h\u00e4tte ich es da wohl auch nicht viel anders machen k\u00f6nnen. Da sie aber alle mit Europ\u00e4ern arbeiten, kennen sie das bestimmt. Und ich hatte auch nicht das Gef\u00fchl, jemanden gekr\u00e4nkt zu haben (kann nat\u00fcrlich trotzdem sein). Erfahren werde ich es wahrscheinlich nie.<br><br>Die offene Frage war noch: wie sieht es mit dem Umweltschutz aus?<br>Owada wusste letzte Woche keine spontane Antwort und Tatsuya musste auch etwas nachdenken. Sie versuchen ein papierloses B\u00fcro zu werden und Drucken nicht viel (davon sind wir in Deutschland weeeeeeeeeeeeeeit entfernt), haben Recyclingpapier und trennen den M\u00fcll. In Japan werden Plastikflaschen n\u00e4mlich separat entsorgt, damit sie recycelt werden k\u00f6nnen. F\u00fcr Gesch\u00e4ftsreisen innerhalb Japans wird haupts\u00e4chlich der Shinkansen benutzt. Immerhin ist das meistens die schnellste und trotz der relativ hohen Preise auch die g\u00fcnstigste Verbindung. Autobahnen sind n\u00e4mlich Mautpflichtig und haben eine Geschwindigkeitsbegrenzung von maximal 100km\/h. Die Klimaanlage im B\u00fcro k\u00f6nnen sie nicht selbst regulieren, sodass sie dadurch keinen Strom sparen k\u00f6nnten, wenn sie wolten.<br><br>In diesem Fall macht man sich also relativ wenig Gedanken um den Umweltschutz bei der Arbeit, verglichen mit Deutschland. Aber es gibt mit Sicherheit auch japansiche Unternehmen, die da aktiver sind.<br>Immerhin machen wahrscheinlich auch genug deutsche Firmen nichts oder wenig daf\u00fcr.<br>Beide Unternehmen k\u00f6nnten sich also die ein oder andere Sache bei dem jeweils anderen abgucken.<br><br>Sooo. Ich sitze jetzt im Shinkansen auf den Weg in den Norden. Mein erstes Ziel ist Fukushima (von der Stadt zum Atomkraftwerk sind es knapp 80km), dann kommt Sendai. Ob ich mich dann noch weiter in den Norden Honshus (Morioka und Aomori) aufmache, entscheide ich spontan (da soll das Wetter aktuell nicht so toll sein). Montag geht es nach Osaka und Nara und Hiroshima bildet den Abschluss meines Monats in Japan.<br><br>Die ersten 2,5 Wochen sind super schnell vergangen und wenn ich ehrlich bin, habe ich gar keine Lust Ende n\u00e4chster Woche schon wieder nach Hause zu fliegen und wieder arbeiten zu gehen. Es ist viel entspannter hier zu sein und durch die Gegend reisen zu k\u00f6nnen. Aber irgendwann hat leider alles ein Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>\u307e\u305f\u306d<\/p>\n\n\n\n<p>Ina<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willkommen zur\u00fcck.Da mein Praktikum nun vorbei ist, ich aber noch eine Woche in Japan bleibe, dachte ich, fasse ich hier die letzten Tage und meinen Abschlussbericht zusammen. Bevor es am Montagmittag in Kyoto zu dem Kunden ging, hatte ich noch etwas Zeit totzuschlagen. 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